Heiraten in Zeiten von Corona

Heiraten in Zeiten von Corona

Aktualisiert: März 18

- und wie Du den schönsten Tag in Deinem Leben doch noch retten kannst


+++ Update 18.03.2020 +++


Viele Brautpaare verfolgen derzeit mit bangem Blick die Nachrichten. Die Horrormeldungen erreichen jeden Tag neue Höhen. Zuerst Meldungen aus dem fernen Ausland. Plötzlich war das Virus in Europa und es erfolgte die reihenweise Absage von Großveranstaltungen. Die maximale Besucherzahl von Veranstaltungen wurde auf zuerst 1000 Personen und kurz darauf auf 100 oder noch weniger Personen begrenzt. Später die Schließung von Schulen und Kitas.


Am 13.03.2020 dann die Verfügung, dass Bars, Diskos, Schwimmbäder, Sportstätten, Fitnesscenter uvm. nicht mehr öffnen dürfen und der dringende Appell der Bundeskanzlerin derzeit auf soziale Kontakte möglichst ganz zu vermeiden


Heute nun sogar die Meldung, dass Grenzen geschlossen, Trauerfeiern nicht mehr durchgeführt und fast alle Läden und Restaurants geschlossen werden.


Einige Länder, wie z.B. Österreich, Spanien und auch Frankreich gehen sogar soweit, dass sie die Versammlungsfreiheit einschränken, sodass sich nirgends mehr als 5 Personen gleichzeitig aufhalten dürfen.


Mal Hand aufs Herz: Wer hätte noch vor wenigen Wochen gedacht, dass so etwas bei uns möglich wäre – im freiheitlichen Europa?


Doch der Schutz der Bevölkerung vor einem zu schnellen Ausbreiten des Virus macht diese so unwirklich erscheinenden Entscheidungen offensichtlich notwendig.


Entscheidungen, die solch massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens haben, bis hin zu unseren privaten Treffen und Familienfeiern, wie wir sie sonst nur von schlechten Katastrophenfilmen kennen.


Wo soll das noch hinführen? Wie geht das bei uns weiter? Welche Maßnahmen sind bei uns noch zu erwarten?



Auf was müssen wir uns sonst noch einstellen?


Stand 16.03.2020, sind private Hochzeitsfeiern meist noch erlaubt. Allerdings ist die Teilnehmerzahl, lokal unterschiedlich, auf durchschnittlich 30-100 Personen reglementiert und sie muss in der Regel bei den Ordnungsbehörden angemeldet werden. Wenn Ihr also bis April 2020 heiraten wollt, dann nehmt unbedingt telefonisch Kontakt mit der zuständigen Ordnungsbehörde auf.


Kommt es auch bei uns zu noch extremeren Maßnahmen - was zu befürchten steht - bedeutet das, dass viele Hochzeiten gar nicht mehr stattfinden können. Und selbst wenn es nicht zum Schlimmsten kommt und „nur“ die Teilnehmerzahl Eurer Hochzeit auf z.B. 30 oder 50 Personen begrenzt wird, hat es dennoch große Auswirkungen auf Euren großen Tag.




Was also tun, wenn Eure Hochzeit ansteht?


Nachfolgend haben wir einige Gedanken für Euch zusammengetragen.


Wenn Ihr


• wissen wollt, wie Ihr mit der aktuellen Situation besser umzugehen könnt,

• Handlungsoptionen kennen lernen wollt und

• erfahren wollt, wie Ihre Euren schönsten Tag dennoch retten könnt,


dann lest bitte weiter.



Grundsätzlich können wir 4 mögliche Szenarien unterscheiden


1. Hochzeit wird nur im kleinsten Kreis gefeiert

2. Hochzeit kann nur mit verkleinerter Gästezahl vorgenommen werden

3. Hochzeit wird aufs nächste Jahr verschoben

4. Hochzeit wird auf einen Werktag in 2020 verschoben


Gehen wir eins nach dem anderen durch:





Hochzeit nur im kleinsten Kreis feiern


Es wäre natürlich der extremste Fall, dass Ihr wegen so einer Sache die Hochzeit ganz absagt.


Dass ihr sie alleine oder im allerengsten Kreis durchführt ist wahrscheinlich naheliegender. Es geht bei Eurer Hochzeit ja in erster Linie darum EUCH und EURE Liebe zu feiern – das ist es, worum es im Kern geht!


Andererseits wäre es aber auch sehr schade nicht im gewünschten Rahmen zu feiern: Ihr habt in den letzten Monaten so intensiv und mit Herzblut an der Durchführung Eures Hochzeitstages gefeilt und geplant - und vielleicht habt Ihr Euch schon Euer ganzes Leben lang auf diesen Tag gefreut. Sollte das wirklich alles umsonst gewesen sein?


Und wenn Ihr den Hochzeitstag nicht oder nur ganz reduziert feiert: Fehlt Euch dann nicht ein gemeinsames Stück Lebenserinnerung? Wie würde es Euch in ein paar Jahren gehen, wenn Corona nur noch eine Erinnerung in den Geschichtsbüchern ist? Wie stark würdet Ihr bereuen nicht „groß“ gefeiert zu haben? Klar könnt Ihr in 1-2 Jahren noch eine Gartenparty mit allen Gästen nachholen, aber wäre es dann noch dasselbe?


Wenn Ihr das große Fest von Eurer Seite aus absagen wollt, z.B. aus Angst vor Ansteckung oder Übertragung, dann ist das rechtlich nicht dasselbe wie bei einer Absage behördlicherseits. Zur juristischen Bewertung, auch was Storno- und Rücktrittskosten angeht, habe ich einen interessanten Blogeintrag einer Rechtsanwältin gefunden:

http://trautante.de/hochzeiten-in-zeiten-des-coronavrius-ii-traumhochzeit-oder-doch-alptraum-hochzeit-juristische-einschaetzung/


Kommen wir zur zweiten Option:





Hochzeit mit verkleinerter Gästezahl durchführen


(Sofern es die Gesundheitsämter erlauben)

Die gute Nachricht vorab: Eure Hochzeit könnte zumindest stattfinden!

Immerhin besser als gar nichts, oder?


Jetzt habt Ihr aber ein anderes Problem: Wie kommt Ihr von beispielsweise 100 auf 30 oder 50 Gäste runter? Wem sagt Ihr ab? Wie wird das von dem ausgeladenen Gast aufgenommen? „Ich bin nicht wichtig genug und nur ein Gast aus der zweiten Reihe“? Möglicherweise trägt er Euch das noch lange nach? Das kann ein ernstes Problem sein.


Wie kommt Ihr aus der Nummer raus? Es gibt dafür kein Patentrezept und es ist immer unangenehm jemanden ausladen zu müssen.


Mein Tipp lautet: nicht selbst ausladen, sondern dem jeweiligen Gast die Wahl lassen.



Eine Formulierung könnte folgendermaßen aussehen:


„Lieber Gast XY, wie Du weißt wollen wir am _____ heiraten. Du hast die Berichterstattung über das Corona-Virus ja bestimmt verfolgt. Gerade haben wir erfahren, dass die Maßnahmen gegen das Virus leider jetzt auch unsere Hochzeitsfeier betreffen: Wir müssen unsere Gästezahl deutlich begrenzen und sind darüber sehr traurig.


Wir möchten aber auch niemanden ausladen und können unmöglich die Entscheidung treffen, wer kommen darf und wer nicht. Jeder Einzelne ist uns wichtig - und wir hatten daher auch Dich aus gutem Grund eigeladen.


Allerdings liegt uns auch Deine Gesundheit und Dein Wohlergehen am Herzen und wir möchten beides nicht riskieren.


Daher bitten wir Dich selbst zu entscheiden: Gehörst Du zu einer Risikogruppe - oder hast Du regelmäßigen Kontakt zu jemand, der gefährdet ist? Wenn ja, würden wir uns zwar freuen, wenn Du kommst, wir wären wir Dich aber auch nicht böse, wenn Du lieber nicht kommen möchtest.


Bitte gib uns möglichst innerhalb einer Woche Bescheid. Und falls sich die Gefährdungslage bis zu unserer Hochzeit wieder entspannen sollte, dann bist Du uns natürlich herzlich willkommen.“




Damit müsst Ihr niemanden ausladen und lasst jedem Einzelnen einen Entscheidungsspielraum. Die meisten wissen, ob sie sich zum engen Kreis zählen dürfen oder nicht - und werden hoffentlich die richtigen Schlüsse ziehen.


Falls ausreichend viele Gäste absagen, dabei aber auch Leute sind, die Ihr unbedingt dabei haben wollt, könnt Ihr ja immer noch mit ihnen sprechen.


Wenn allerdings (zu) wenige Absagen kommen, bleibt Euch bei einigen Gästen nur noch „der harte Weg“ übrig. Das sollten aber bei deutlich weniger Personen notwendig sein als zuvor.


Kommen wir zur dritten Möglichkeit:





Die Hochzeit aufs nächste Jahr verschieben


„Wenn es dieses Jahr nicht klappt, dann halt nächstes Jahr!“


Dies ist ebenfalls ein recht naheliegender Gedanke. Bei näherer Betrachtung hat er jedoch einige Tücken: Denn nächstes Jahr trefft Ihr auf die neuen 2021er-Brautpaare, die an den gleichen Samstagen und den gleichen Locations heiraten und die gleichen Dienstleister buchen möchten wie ihr.


Dies bedeutet, dass sich die Anzahl der auszurichtenden Hochzeiten - je nachdem wie lange die Corona-Krise anhält - im schlechtesten Fall verdoppelt.

Und das wird zweifellos Auswirkungen auf die Preise haben.


Denn wenn Ihr eine Hochzeit für 2020 geplant habt und diese storniert werden musste, könnt Ihr nicht ohne Weiteres die Buchung zu gleichen Konditionen einfach auf einen Freitag oder Samstag im nächsten oder übernächsten Jahr übernehmen.


Dies könnten die Locations und Dienstleister wirtschaftlich gar nicht verkraften, denn ihnen fehlt im schlimmsten Fall das Einkommen eines kompletten Jahres!


Und da die Hochzeitssaison nur von Mitte April bis Mitte Oktober dauert, würde bereits eine Corona-Dauer bis Mitte Juli eine Halbierung des Einkommens bedeuten.



Wenn sich in den Jahren 2021 und 2022 also die Nachfrage nach Hochzeitsterminen deutlich erhöht, und die Locations und Hochzeitsdienstleister zudem ihren Einnahmeausfall aus 2020 kompensieren müssen, könnten diese beiden Jahre zum Feiern somit recht teuer werden.


Es geht aber noch weiter: Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sind noch nicht ansatzweise abzuschätzen. Die meisten Hochzeitsdienstleister sind Solo-Selbständige, von denen viele keine ausreichenden Reserven haben, um ein halbes oder sogar ein ganzes Jahr ohne Einnahmen zu überleben.


Aber auch den personalintensiven Branchen wie Locations, Hotels, Restaurants und Caterer laufen die Kosten davon – bei gleichzeitig wegbrechenden Einnahmen. In einem Interview am 08.03.2020 hatte die Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes davon gesprochen, dass bis zu 50% ihrer Mitgliedsunternehmen auf der Kante stehen könnten.


Die Befürchtung liegt nahe, dass viele Hochzeitsdienstleister und Locations den Ausfall eines halben oder gar kompletten Jahres wirtschaftlich nicht verkraften können und gezwungen sind, sich ganz aus dem Hochzeitsgeschäft zurückzuziehen.


Dies bedeutet für Euch, dass zusätzlich zu den beiden vorgenannten Punkten (doppelte Nachfragesituation und wirtschaftliche Notwendigkeit von Preiserhöhungen), die Reduzierung des Angebots die Preise weiter nach oben treibt.


Daher komme ich schließlich zu meiner Empfehlung:





Hochzeit verschieben auf einen Werktag 2020


Ich höre bereits während des Schreibens das erschreckte Aufrufen

„Werktags? Das geht nicht, da müsste ja jeder Urlaub nehmen!“


Stimmt genau! Und ja, es wird auch einige Gäste geben, die genau deshalb nicht kommen können.


ABER: Immerhin könnt Ihr noch zeitnah Eure Traumhochzeit feiern!


UND: Kirchen, Standesämter und/oder Hochzeitsredner werden bestimmt noch einige Termine frei haben. Und auch bei Euren Visagisten, Musikern, Fotografen, Floristen und wenn Ihr sonst noch alles gebucht habt, stehen die Chancen ganz gut, dass sie noch verfügbar sind. Sie werden Euch sicher für diesen Vorschlag dankbar sein und alles dafür geben, dass Ihr eine unvergesslich schöne Hochzeit feiern könnt.


Klar ist: Das geht natürlich erst, wenn sich die Gefährdungslage verbessert hat und auch die Gesundheitsämter grünes Licht gegeben haben.


Da Ihr wahrscheinlich die meiste Arbeit bereits erledigt habt, ist vielleicht auch ein relativ spontaner Hochzeitstermin mit Vorlauf von ein paar Wochen möglich.


Und zum Argument „Urlaub nehmen müssen“ möchte ich noch anmerken, dass Eure Gäste die Corona-Krise mit genauso bangen Augen verfolgt haben wie Ihr. Sie kennen das Dilemma, in dem ihr steckt. Sie wissen, wie Ihr gelitten habt und werden bestimmt versuchen es irgendwie möglich zu machen, dass sie mit Euch feiern können. Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen.


Viele Urlaubsreisen wurden und werden derzeit ja bereits abgesagt. Die Chancen stehen gut, dass Eure Gäste im zweiten Halbjahr noch viele freie Urlaubstage übrig haben um mit Euch abzufeiern. Setzt die Trauung um 15 Uhr an, dann kommen Eure Gäste mit einem halben Urlaubstag aus, und am nächsten Morgen sollen sie einfach etwas später anfangen und zwei Gleitzeitstunden abbauen, dann passt das schon 😉.





Was könnt Ihr heute tun?


Für die Hochzeiten, die ursprünglich bis Mitte/Ende April stattfinden sollten, sind nach heutiger Sicht von der Corona-Krise betroffen. Hier gilt: setzt Euch mit Eurer Location und den Dienstleistern zusammen und hört Euch an, welche Ideen sie haben. Sie werden Euch ganz sicher weiterhelfen wollen.



Und für die Hochzeiten ab Mai gilt erstmal:

Ohren gespitzt und Füße stillhalten!



Denn wenn Ihr Eure Hochzeit absagen wollt, ohne dass es für den Termin ein behördliches Veranstaltungsverbot gibt, z.B. wenn Ihr aus Furcht vor Corona, oder weil Ihr Euch mit dem ursprünglichen Termin einfach nicht mehr wohlfühlt, stornieren wollt, ist das nicht ohne Weiteres möglich. Stichwort "Stornokosten".


Ich verlinke hier nochmal den Beitrag der Rechtsanwältin auf dem Blog der "Trautante". http://trautante.de/hochzeiten-in-zeiten-des-coronavrius-ii-traumhochzeit-oder-doch-alptraum-hochzeit-juristische-einschaetzung/




So dynamisch wie die Entwicklung derzeit ist, und

so entschlossen wie die (meisten) Regierungen weltweit derzeit vorgehen,

so schnell kann sich die Situation auch wieder bessern.



Denn in der Masse des medialen Bombardements an Katastrophenmeldungen gehen die Nachrichten, die Grund zur Hoffnung geben, oft verloren:

https://www.n-tv.de/politik/politik_person_der_woche/Drei-Nachrichten-die-Hoffnung-machen-article21647357.html




Ich gebe zu, gerade unter dem Eindruck der Problemmeldungen, die derzeit stündlich auf uns einprasseln, mag das sehr optimistisch klingen, doch


wenn ein Pendel schnell in die eine Richtung schwingt, dann schwingt es auch

wieder schnell in die andere.



Das war es erst einmal von meiner Seite. Sorry, dass der Artikel etwas länger geworden ist, aber ich hoffe, dass ich Euch mit ein paar Anregungen und Gedanken helfen konnte. Wenn Ihr Bemerkungen oder andere Vorschläge habt, dann hinterlasst bitte einen Kommentar.


Ich werde diesen Blogeintrag ständig weiter fortführen und immer aktualisieren, sobald es neue Entwicklungen und Ideen gibt.


Bleibt gesund und passt auf Euch auf!


Euer Roger



Einen weiteren interessanten Blogeintrag zu dem Thema findet Ihr hier:

http://trautante.de/hochzeiten-in-zeiten-des-coronavirus-10-schritte-die-ihr-jetzt-als-brautpaar-tun-musst-fur-eure-hochzeit-2020/


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